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Lilith

die Faszination des Weiblichen

Dass nicht Eva, sondern Lilith die erste Menschheits-Frau war, steht nicht in der Bibel und im Religionsunterricht erfuhr ich darüber auch nichts. Gott schuf Lilith und Adam aus dem gleichen Material, er formte beide aus Lehm. Der Mythos faszinierte mich sofort, widerlegt er doch die Ungleichheit von Mann und Frau, die das Patriarchat mit Vehemenz seit Jahrtausenden verteidigt.

Der Mythos

Nach einer alten hebräischen Version der Schöpfungsgeschichte schuf Gott Lilith, die erste Frau, genauso wie er Adam erschaffen hatte. Beide wurden aus der gleichen Erde geformt, anders als Eva, die nach Lilith kam und aus einer Rippe Adams entstanden ist. Lilith und Adam fanden allerdings keinen Frieden miteinander. Lilith beharrte Adam gegenüber auf ihrer Gleichwertigkeit und war auch nicht bereit beim Sexualakt "unten" zu liegen. Um ihre Freiheit und Selbstbestimmung zu behalten verließ sie freiwillig das Paradies und kehrte auch trotz massiver Drohungen (die von Gott gesandten Engel drohten ihr, dass täglich Hunderte ihrer Kinder sterben müssten). Als Schlange getarnt kam sie angeblich nochmals zurück ins Paradies und verführte Eva dazu, von der "verbotenen Frucht" zu essen. Das führte zu der Vertreibung aus dem Paradies. In den späteren Mythen wird Lilith dämonisiert. Sie wird zur bösen Nachtdämonin, die Männern nachstellt, Kinder tötet und sich mit Samael, dem Herrscher der Unterwelt paart.

Liliths Bedeutung heute

Die Kraft des Weiblichen drängt sich in den letzten 40 Jahren wieder verstärkt in unser Bewusstsein und nimmt an Bedeutung zu. Als Symbol für diese weibliche Urkraft wird in der Astrologie Lilith angesehen. Lilith, die „Große Göttin“ hat sich entschieden aus ihrem Exil zurückzukehren und dem Weiblichen seine ursprüngliche Kraft und Macht zurückzugeben. Es ist eine Kraft, die für sich steht, die zornig und zerstörerisch sein kann, weil sie so lange unterdrückt wurde, aber auch kreativ und heilsam, wenn wir ihr einen Platz in unserem Leben einräumen. Lilith versinnbildlicht den Protest gegen das patriarchale Weltbild. Sie steht für das Streben nach Autonomie und Ganzheitlichkeit. Niemals würde Sie jemandem das Recht geben über sie zu bestimmen. Sie symbolisiert auch eine sexuell-aktive Frau, mit eigener Lustfähigkeit und Verführungskraft.

Was ist Weiblichkeit?

Das Weibliche hat ein eigenes Kräftepotential. Weiblich sein heißt stark, selbstbewusst und autonom sein. Es ist eine tragende, haltende und magnetische Kraft. Weibliches Wissen beinhaltet die Verbundenheit mit allen Lebewesen, mit allem Irdischen und Überirdischen. Es ist zyklisch und ganzheitlich. Wir definieren uns heute oft über sogenannte männliche Werte - leistungsorientiert, erfolgreich im Beruf sein, nur seine eigenen Interessen vertreten, knallhart sein etc. Wenn das Pendel zu sehr in eine Richtung ausschlägt, ist Umdenken angesagt. Wir müssen über neue Wege und neue Werte nachdenken.

Lilith aus astrologischer Sicht

Lilith oder der "schwarze Mond" ist kein Planet sondern ein sensitiver Punkt. Sie ist der zweite, unsichtbare Brennpunkt der Mond-Eklipse. Sie braucht ca. 9 Jahre um einmal den Tierkreis zu durchlaufen.

Lilith bringt Radikalität, Tiefe und Intuition in die jeweiligen Themen des Zeichens und Hauses in dem sie steht. Sie macht uns unsere Schatten bewusst, damit wir sie integrieren können, sie bringt uns mit unserer Wut und unserem Schmerz in Berührung, damit wir zu wirklicher Lebensfreude fähig werden. Sich nicht mit ihrer Kraft auseinander zu setzen, heißt kreatives Potential brach liegen zu lassen.

Wenn Lilith in einem Feuer-Zeichen (Widder, Löwe, Schütze) steht, bedeutet dies eine Auseinandersetzung mit der Ich-Kraft; in einem Erd-Zeichen (Stier, Jungfrau, Steinbock) fordert sie von uns die Auseinandersetzung mit der Form und der Materie; in einem Luftzeichen (Zwillinge, Waage, Wassermann) sind Beziehung, Kontakt, Lebendigkeit und Kreativität Auseinandersetzungsthemen; in einem Wasserzeichen (Krebs, Skorpion, Fische) geht es schließlich um die Auseinandersetzung mit Zuhause, Tiefe, und Erneuerung.

Literaturhinweise

Monika Piper-Albach, Im Schatten der Venus, Wagner Verlag, 2004
Kocku von Stuckrad, Lilith, Aurum-Verlag, 1997
Hannelore Traugott, Lilith -Eros des Schwarzen Mondes, Astrodata, 1995